Die Baptisten

Geschichte der Baptisten in Deutschland

Historisch und konfessionskundliche Einordnung

Obwohl die Geschichte der Baptistengemeinden in Deutschland nur etwa 175 Jahre umfasst, gehen ihre Wurzeln bis in die Täuferbewegung der Reformationszeit zurück.

Die Vielfalt der im 16. Jh. vorgenommenen Kirchenreformen ist ziemlich verwirrend. Über die "eigentlichen Reformbewegungen" hinaus - lutherische, reformierte, anglikanische und katholische -, gab es Bestrebungen, die nicht zur offiziellen Anerkennung gelangten, aber in ihrer Wirkung nicht weniger bedeutsam waren.

Es gab schon damals entschiedene Christen, die aufgrund ihres Bibelstudiums eine Weiterführung dieser Reformen wünschten. Ihnen ging es darum, dass der einzelne Mensch Vergebung seiner Sünden empfängt, und dass Gläubige in Gemeinden gesammelt werden. Die Täufer wären undenkbar ohne die vorausgegangene Reformation von Luther - besonders hinsichtlich der Betonung der Rechtfertigung aus Gnaden -, von Zwingli - besonders durch sein Interesse an einer geistlichen Religion ohne Zeremonien - oder von Erasmus von Rotterdam - der eine radikale Rückkehr zu den biblischen Grundlagen forderte. Grundsätze der Täufer waren u.a.:

- das Leben in der Christusnachfolge (mit der Betonung des freien Willens des Menschen); - die Allgemeingültigkeit des Evangeliums (alle haben die Möglichkeit der Rettung); und

- die Gemeinde (als Gemeinschaftsbezug der Nachfolge Jesu).

Seit der Zeit Konstantins bis zum 16. Jh. hat der Staat Macht auf die Kirche ausgeübt, was das Verständnis der Täufer nicht zuließ, weil die Kirche frei sein sollte. Eine Form beständiger Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat war durch die Praxis der Kindertaufe gegeben.

 

Entstehung der Baptistengemeinden auf dem Kontinent

Die heutigen Baptisten können ihren Ursprung bis an den Anfang des 17 Jh. zurückverfolgen. Der Gedanke, lebendige Gemeinden von gläubigen Christen zu bilden, die sich auf das Bekenntnis ihres Glaubens taufen lassen, blieb lebendig. So wurde 1609 in Amsterdam eine kleine Gruppe von englischen Flüchtlingen aufgrund ihres Glaubens getauft, die 1612 die erste Baptistengemeinde in England gründeten, die sog. "General Baptists". Später, 1638 formierte sich eine zweite Gruppe, die die Glaubenstaufe durch Untertauchen vollzog, und die kalvinistische Versöhnungslehre vertraten. Dies brachte ihnen den Namen "Particular Bapists" ein.

In Deutschland wurde die erste "Gemeinde gläubiger getaufter Christen" (Baptisten) 1834 in Hamburg gegründet. Der Kaufmann Johann Gerhard Oncken hatte beim Lesen in der Bibel die Überzeugung gewonnen, sich taufen zu lassen. Auch hier gab es wieder - wie schon in der Reformationszeit - Verfolgung seitens der Behörden und Kirchen, bis 1848 die Glaubensfreiheit verfassungsmäßig verankert wurde. Durch die Aussendung von Handwerkermissionaren, die von Ort zu Ort zogen und ihren Glauben bekannten, entstanden immer weitere Gemeinden.

Im Laufe der Jahre errangen sie religiöse und öffentlich-rechtliche Anerkennung.

1849 kommt es in Hamburg zur Gründung des "Bundes der vereinigten Gemeinden getaufter Christen in Deutschland und Dänemark".
1942 schloss sich der Bund der Baptisten- und Elimgemeinden mit dem Bund freikirchlicher Christen (Brüdergemeinden) zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland zusammen.